Über das Licht auf meinen Fotos zu schreiben, fällt mir gar nicht so leicht. Nicht, weil das Schreiben an sich problematisch wäre, sondern weil für mich viele einzelne Bestandteile zusammenkommen müssen, um ein Bild zu machen, das mir gefällt.
In den nächsten Wochen möchte ich daher eine Serie von Posts veröffentlichen, in denen ich euch einzelne Aspekte meiner Sichtweise auf Licht bzw. meine Arbeitsweise damit näherbringen möchte. Mein Ziel ist es, dass ihr am Ende ein umfassendes Bild über die einzelnen Komponenten habt und wie ich sie bei einem Shooting einsetze bzw. bewerte. In jedem dieser Posts möchte ich euch auch Tipps zum Ausprobieren der besprochenen Punkte geben.
Wichtig ist mir bei diesen Ausführungen, dass es sich dabei lediglich um meine persönliche Sicht- und Arbeitsweise handelt. Um die Herangehensweise, die ich selbst aktuell für meine Bilder verfolge. Ich möchte damit aber nicht den Anspruch erheben, die einzige, die beste oder die sinnvollste Herangehensweise für Sensual- oder Nude-Fotografie im Allgemeinen darzustellen. Denn am Ende des Tages hängt gerade die Nutzung von Licht in der Fotografie sehr stark mit den persönlichen Präferenzen und den gewünschten Bildergebnissen zusammen. Ich beschreibe hier also nur die Arbeitsweise, mit der ich selbst es schaffe, Bilder zu erstellen, die meinem aktuellen Sinn von Ästhetik entsprechen.
Teil 1 - Viel Licht oder wenig Licht?
Manche Menschen sind erstaunt, mit wie wenig Licht ich teilweise fotografiere. Für mich sind die spezifischen Qualitäten des Lichts im Raum (Lichtrichtungen, Größe der Lichtquellen, Abstand zu ihnen, etc.) viel wichtiger als die absolute Lichtmenge. Aufgrund der technischen Entwicklungen der Kamerasensoren innerhalb der letzten Jahrzehnte stört mich Dunkelheit in Räumen heute nicht mehr, und einige meiner beliebtesten Bilder sind mit über 6.400 ISO, manche sogar mit über 12.000 ISO gemacht.
Aber *was* genau ist mir dann bei der Arbeit mit Licht wirklich wichtig?
Zuallererst: die Lichtrichtung. Das ist für mich - auf das Licht bezogen - der wichtigste Faktor. In meinen Bildern soll das Licht einzelne Elemente zeigen, andere sogar noch betonen und wieder andere Elemente verdecken. Den Begriff "Elemente" verwende ich hier relativ frei: es kann sich hier sowohl um Teile des Gesichts oder Körpers des abgebildeten Menschen handeln, als auch um Teile der Location. Auch der Begriff "das Licht" ist hier etwas vereinfacht, denn gerade Tageslicht kommt oft von vielen Seiten, wird von Wänden, Böden und Einrichtungsgegenständen reflektiert oder durch fotografische Aufheller/Abschatter gesteuert. Aber lasst uns aktuell mal nur auf die jeweils bildwichtigste/stärkste Lichtquelle konzentrieren.
Das ist vielleicht auch gleich der wichtigste Tipp, den ich euch geben kann: Versucht zuerst, die Fotografie mit einer Lichtquelle zu meistern, bevor ihr weitere Lichtquellen ins Spiel bringt. Um das im Kontext eines Home- oder Location-Shootings auszuprobieren, empfehle ich oft, einfach mal alle Lichtquellen außer einer zu eliminieren. Schaltet alle Lichter im Raum ab und verdunkelt alle Fenster, bis auf eines. Danach fotografiert einfach im Umkreis von einem bis drei Metern rund um dieses Fenster - ihr werdet erstaunt sein :)
Ich selbst beurteile danach die durch die Konzentration auf eine Lichtquelle entstehende Lichtrichtung im Kontext von zwei verschiedene Fragestellungen:
Zu beiden Themen werde ich in den nächsten Posts noch mehr schreiben. Aber bevor wir darüber im Detail sprechen können - oder ihr in euren Bildern meine Herangehensweise ausprobiert - ist es wichtig, dass ihr euch Gedanken über die Belichtung bzw. damit einhergehende Bearbeitung (in Bezug auf die Bildkontraste) macht.
Die "korrekte" Belichtung - zumindest für meine Bilder :)
Wenn ihr die beiden Bilder im unten verlinkten PDF betrachtet, werdet ihr sofort merken, wie unterschiedlich sie wirken. Es handelt sich dabei eigentlich um das gleiche Bild, nur mit einer anderen Belichtung bzw. (Kontrast-)Bearbeitung. Einmal - in der ersten Version - die Belichtung und Bearbeitung, wie ich sie üblicherweise für meine Bilder wählen würde, und als zweite Version die "normale" Belichtung, wie sie euch eine Kameraautomatik vermutlich vorschlagen würde. Ich bevorzuge für meine Bildsprache die dunklere Version, die ich geringer belichtet habe und für die ich einen härteren Kontrast gewählt habe.
Der Hauptunterschied bei der Belichtungsbeurteilung ist folgender: Die meisten Kameraautomatiken versuchen, ein einigermaßen gleichmäßig helles Bild zu erreichen, da sie nicht künstlerisch-kreativ entscheiden können, welche Bildteile wichtig und welche unwichtig sind. Diese Frage können nur der/die Fotograf/in beantworten. Ich selbst nutze daher immer die manuelle Belichtung und wähle eine Zeit/Blende/ISO-Kombination, die die hellen (= die direkt beleuchteten) Bereiche des Körpers in einer dem Hautton angemessenen Helligkeit wiedergibt. Durch die kontrastreiche Lichtführung (mit einer Lichtquelle, die durch meinen Verzicht auf Aufhellung eine erkennbare Richtcharakteristik aufweist) wird die Schattenseite automatisch entsprechend dunkler. Diesen Helligkeitsunterschied verstärke ich meistens noch durch die Auswahl der Tonwertkurve für mittelstarken Kontrast. Auf der zweiten Seite im PDF seht ihr die kompletten Lightroom-Einstellungen dieses Fotos.
Tipps zum Ausprobieren:
In den nächsten Posts werde ich euch zeigen, wie ihr aus diesem Basiswissen zur manuellen Belichtung in Umgebungen mit hohem Kontrast (und der Bildkontrast wird bei einem einzigen Fenster in einem Raum durchwegs sehr hoch sein) konkrete Posinghinweise für eure Modelle erarbeiten könnt. Ich werde auch zeigen, wie ihr euren Modellen helfen könnt, die Lichtwirkung auf ihrem Körper zu verstehen und sich bestmöglich im Licht zu bewegen.