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Zehn Jahre Klüger: August 2014

Liebe Freunde,

es ist so weit: Gamergate ist da. Die Online-Hasskampagne hat schon länger ihren Schatten vorausgeworfen, im August 2014 bricht sie dann aus und hält die Spielerszene für Monate in Atem. Versteht sich, dass wir ausführlich in das Thema eintauchen und die Entstehung, die Hintergründe und vor allem die Auswirkungen von Gamergate ausleuchten.

[00:03:57] „The Zoe Post“

Es beginnt mit einer persönlichen Abrechnung eines Ex-Freunds an seiner Ex-Freundin, die zufällig Spieldesignerin ist. Aus diesem Funken entsteht eine regelrechte Explosion, in der sich Frust und Hass eines Teils der US-amerikanischen (männlichen) Spielerschaft entlädt. Unter dem Stichwort Gamergate fegt dieses Feuer durch die Spiele-Szene und offenbart die hässliche Seite der Gamer-Kultur. Frauenfeindlichkeit, Diffamierung und Online-Menschenjagden schaffen über Gamergate den Sprung in die Öffentlichkeit und zeigen, wieviel Zustimmung reaktionäre Positionen in Teilen der Gesellschaft haben; ein Vorbote für das, was im folgenden Jahrzehnt dann auf politischer Bühne passieren wird.

[01:03:41] P.T.

Unvermittelt taucht im August 2014 ein kleines Spiel im Playstation Store auf. Niemand weiß, von wem P.T. stammt, aber das kurze Abenteuer entpuppt sich als beklemmend effektive Horror-Erfahrung. Kryptische Botschaften und obskure Rätsel tragen zur Faszination bei, bis sich herausstellt: Das Ganze ist eine spielbare Ankündigung eines großen Spiels, nämlich Silent Hills, und dahinter steckt kein geringerer als Hideo Kojima. Ein gelungener Coup also? Ja, aber damit geht das Rätselraten um P.T. erst richtig los.

[01:49:03] „PewDiePie ist unter Teens einflussreicher als Hollywood-Stars“

Ein junger Schwede hat sich innerhalt weniger Jahre zur bekanntesten Youtube-Persönlichkeit hochgearbeitet, und damit bei jungen Amerikanern zu einem absoluten Star: Felix Kjellberg alias PewDiePie. Wie so viele Youtuber dieser Ära beginnt Kjellbergs Karriere als Let’s-Player, aber bald versucht er sich auch an anderen Themen wie Comedy und Musik. Jahrelang ist PewDiePie der Youtuber mit den meisten Abonnenten. Was ist sein Erfolgsgeheimnis? Und was macht er heute?

[02:16:56] … und das Spiel des Monats ist mal wieder ein Überraschungserfolg, der nicht zuletzt mit PewDiePie und seinen Youtuber-Kollegen zusammenhängt. Das Werk wird zum Phänomen, das in kürzester Zeit zahlreiche Spiele, Romane und sogar einen Hollywood-Film hervorbringt.

Viel Spaß beim Hören!

Christian & André

Zehn Jahre Klüger: August 2014
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Comments

Ohne Gamergate allzu intensiv verfolgt zu haben oder hier tief in die Diskussion einsteigen zu wollen: In dem "Screen Rant"-Text schreibt eine offensichtlich weibliche Person, dass sie sich (u.a. nach Äußerungen des Enteicklers) als Frau nicht in der Spielwelt willkommen fühlt (kann man gut/nachvollziehbar finden oder nicht). Wichtig scheint mir aber, dass sie recht gut nachprüfbar auf das Spiel eingeht: "As far as Chapters 1 and 2, while characters are clearly fictitious and fantastical creatures, there were no female or feminine NPCs, enemies, or bosses present. The only exception, if you can call it 'female', is a boss named Mother of Stones in Chapter 2, which is nothing more than a still, glowing rock with no abilities, being guarded by other enemies." Ich kann mir nun das Spiel holen/Let's plays anschauen usw., um das sachlich zu prüfen, was das eine ist. Das andere ist die Perspektive, die ich bereichernd/feministisch/blöd/wie auch immer finden kann (nach dem Motto: "man" muss doch nicht Frauen in Spielen zählen, ist doch für die Qualität des Spiels unerheblich). Die Perspektive können wir mögen oder nicht, aber der Kommentar, dass man einen Affen spielt, wirkt auf mich offen gesagt so, als wolltest du den Text mit seinen Gedanken, Gefühle und (für uns nachprüfbaren) Fakten für andere so runterbrechen, dass diese ihn nicht mehr lesen, sondern sagen: Guck mal, die Journalisten, die wollen sogar Affen Geldern!!1!1 lol Klang jetzt offensiver als ich wollte, möchte nichts unterstellen und auch nicht tief in die Diskussion einsteigen. Und meinetwegen kann auch jeder sagen: Hey, solche Texte geben mir nichts oder verschwenden Ressourcen, die sonst für mich interessante Texte zur Verfügung stünden. So oder so fände ich aber eine Diskussion am Text schön, übrigens auch in Bezug auf den Podcast in Form von wörtlichen Zitaten usw. Abschließend danke ich dir (kein Hohn, meine ich ernst!), aber auch diesem Kommentarbereich und 10JK, denn ich möchte nun versuchen, mir das Thema möglichst offen anzueignen.

Konstantin Jediss

Hat er Recht damit, dass die Kapitelmarken falsch sind: ja. Ist er ein absoluter Clown: Auch ja.

Herr Frodo Brömmelkamp

Ich bewundere eure Energie im Umgang mit diesem Quatsch, diese Taktik ist ja ebenfalls hinlänglich bekannt. Es geht ihm selbstredend nur um ethics in Kommentarspalten. 🙄

Stefan Weidner

Sorry, das ist Projektion: Du versuchst es mit rhetorischen Tricks, ich weise draufhin, dann wirfst du mir rhetorische Tricks vor. Und nutzt im nächsten Satz, oh, einen rhetorischen Trick. Ja nun. Gähn. Ich umgehe keine Debatte, es gibt ja keine: Du kommst initial mit einer Umdeutung der Historie, komplett schwarzweiß und lieferst gleich vorsorglich die Diffamierung für abweichende Meinungen, die natürlich "Agitation" sind. Damit ist die "Debatte" ja zuende. Der Podcast hat eine recherchierte ausführliche Darstellung geliefert, dem ist nicht viel hinzuzufügen. Und ehrlich, du hast dem ja auch nichts hinzuzufügen, außer der impliziten Behauptung, es gäbe da eine politische Agenda von uns. Aber ehrlich, ich glaube, in dieser Diskussion sind es nicht wir, die mit einer politischen Agenda antreten.

Stay Forever

Ich bin erstaunt über deine Antwort. Anstatt auf die inhaltlichen Punkte meiner Kritik einzugehen, konzentrierst du dich auf eine vermeintliche formale Ungenauigkeit. Zum Vorwurf der ungenauen Zitierung: Du hast Recht, dass ich deine Worte nicht wörtlich zitiert habe. Ich habe den Kern deiner Aussage paraphrasiert, um den problematischen Aspekt deiner Argumentation hervorzuheben. Wenn du meinst, dass diese Paraphrase deine Position verzerrt, wäre es konstruktiver gewesen, deine eigentliche Position klarzustellen, anstatt die Diskussion auf diese Formalität zu reduzieren. Zur Sache selbst: Du gehst mit keinem Wort auf die inhaltlichen Kritikpunkte ein. Weder adressierst du die Problematik der vereinfachenden Darstellung von Gamergate, noch kommentierst du die Bedenken bezüglich der "Klarnamen"-Bemerkung oder deiner Reaktion auf kritische Stimmen. "I rest my case": Diese Formulierung suggeriert, du hättest einen entscheidenden Punkt gemacht. In Wirklichkeit hast du lediglich eine Formalität kritisiert und dabei die eigentliche Debatte umgangen. Deine Antwort bestätigt leider den Eindruck, dass du nicht bereit bist, dich ernsthaft mit Kritik auseinanderzusetzen oder deine Position zu überdenken. Sie zeigt auch, wie schnell eine potentiell fruchtbare Diskussion über ein komplexes Thema in unfruchtbare Wortklauberei abgleiten kann. Ich bleibe dabei: Als Podcaster mit Reichweite und Einfluss tragt ihr eine Verantwortung für die Qualität des Diskurses. Diese Verantwortung erfordert die Bereitschaft, auch unbequeme Kritik ernst zu nehmen und reflektiert darauf zu reagieren - nicht, sie mit rhetorischen Tricks abzutun.

Tobias Wolfram

Es ist in diesem Zusammenhang direkt ironisch, dass du alle diese Sachen, die du uns vorwirfst, selber in das Gespräch einbringst: Du interpretierst die Kritik im Cast an Gamergate als Angriff und reagierst mit einer Zuschreibung wie "Agitation", die es dir bequem ermöglicht, die dir missliebigen Meinungen als eine Art politische Kampagne abzutun, keineswegs als Ergebnis einer Recherche und Meinungsbildung. Damit teilst du die Welt in "us" and "them". Und verhinderst den Diskurs. Als man auf deine Attacke reagiert, bist du plötzlich das Opfer, das nur eine harmlose Frage gestellt hat, das nur einen Dialog will. Aber du nutzt den Raum dann nicht zu einer nuancierten Argumentation, sondern arbeitest mit Taschenspielertricks: Wenn du Anführungszeichen verwendest, um auf Äußerungen von mir Bezug zu nehmen, ist der stillschweigende Konsens, dass die angeführte Äußerung auch so gefallen sein muss. Du hingegen setzt einen von dir zugespitzten Satz in Anführungszeichen, mutmaßlich, weil meine Formulierung nicht exakt in deine Argumentation passt - du wendest dich dann im Folgesatz ja ausdrücklich gegen die Zuspitzung. Und wirfst mir vor, die so nicht gesagte Formulierung sei intellektuell unredlich. Ja nun. Der Rest deiner Einlassungen ist leider ähnlich ungenau - ich habe Gamergate z.B. nicht mit Mördern und Vergewaltigern verglichen, auch wenn du das behauptest. Und zum Punkt "Verharmlosung" - wie soll man deine Einlassung zu Gamergate sonst bezeichnen, wenn du ohne jede Nuancierung den Podcastern Voreingenommenheit und Agitation unterstellst und locker-flockig gut dokumentierte Attribute der Gamergater als "vermeintlich" einschränkst? Klar, man kann über viele Sachen im Detail unterschiedlicher Meinung sein rund um Gamergate, die Welt ist komplex, aber die großen Linien sind eine Nähe zu neurechten Positionen und Personen, eine reaktionäre Haltung, die gewisse Formen der Gleichberechtigung zurückdrehen will und ein vielfach geäußerter Hass auf Frauen, das ist nicht wirklich nicht mehr gut zu bestreiten, egal aus welcher politischen Haltung man kommt. Ich würde deine Deutung umdrehen: Die Extremisten mit den Morddrohungen sind eben nicht der Fringe, sondern der Kern - und die Ethics-in-Games-Journalism-Leute sind der Rand, die halt so mitlaufen und der Bewegung so einen Rest Legimität verleihen.

Stay Forever

Ach ja, zum Stichwort Klarnamen: Diese Art von Kommentar hat einen bedrohlichen Unterton, der in einer zivilisierten Debatte keinen Platz haben sollte. Die Hervorhebung der Tatsache, dass Menschen unter ihrem echten Namen kommentieren, kann leicht als Einschüchterungsversuch interpretiert werden. Es suggeriert, dass diese Personen aufgrund ihrer Meinungsäußerung potentiell negative Konsequenzen zu befürchten hätten. Die Tatsache, dass ihr diesen Aspekt des Kommentars nicht kritisiert, sondern sogar teilweise unterstützt, scheint mir durchaus bedenklich. Es untergräbt die Möglichkeit eines offenen, ehrlichen Diskurses und könnte dazu führen, dass Menschen sich aus Angst vor Konsequenzen nicht mehr trauen, ihre Meinung zu äußern - insbesondere wenn diese von der Mehrheitsmeinung abweicht.

Tobias Wolfram

Danke, aber da bleiben für mich einige Punkte, die mir Bauchschmerzen bereiten: Mein ursprünglicher Kommentar galt primär den falsch gesetzten Kapitelmarken. Die Kritik an der Darstellung des Themas war sekundär, aber angesichts der kontroversen Natur des Inhalts durchaus berechtigt. Rückblickend möglicherweise aus dem Moment heraus ein wenig zu sehr zugespitzt formuliert, da gelobe ich Besserung. Eure Antwort offenbart gleichzeitig jedoch ein grundlegendes Missverständnis meiner Position und spiegelt die Problematik wider, die ich ursprünglich kritisierte. Zunächst einmal ist es irreführend, meine Kritik an eurer Darstellung als "Verharmlosung" zu bezeichnen. Diese Charakterisierung ist symptomatisch für eine binäre Denkweise, die komplexe Diskurse auf ein simples "dafür oder dagegen" reduziert. Genau diese Vereinfachung war der Kern meiner Kritik an eurer Gamergate-Darstellung. Indem ihr meine Äußerungen als "starken Tobak" bezeichnet und mir unterstellt, ich würde mich "als Opfer hinstellen", versucht ihr, legitime Kritik zu diskreditieren, anstatt euch inhaltlich damit auseinanderzusetzen. Besonders problematisch ist eure Darstellung von Gamergate als "reine Vernichtungskampagne gegen Frauen". Diese Charakterisierung ist nicht nur historisch ungenau, sondern auch intellektuell unredlich. Sie ignoriert die vielschichtigen soziokulturellen Faktoren, die zu dieser Kontroverse beitrugen, und reduziert ein komplexes Phänomen auf eine eindimensionale Narrative. Der Vergleich mit "Mördern und Vergewaltigern" ist dabei ein offensichtlicher Versuch der emotionalen Manipulation, der einer sachlichen Diskussion unwürdig ist. Eure Reaktion exemplifiziert genau die Art von polarisierender Rhetorik, die einen konstruktiven Dialog verhindert und die Komplexität gesellschaftlicher Phänomene verschleiert. Sie zeigt eine besorgniserregende Tendenz, Kritik als Angriff zu interpretieren und mit überzogenen Gegenangriffen zu reagieren, anstatt die Gelegenheit für eine differenzierte Betrachtung zu nutzen. Als Podcaster mit Einfluss und Reichweite tragt ihr eine besondere Verantwortung für die Qualität des öffentlichen Diskurses. Eure Darstellung und Reaktion auf Kritik werden dieser Verantwortung nicht gerecht. Sie tragen stattdessen zu einer Verhärtung der Fronten bei und erschweren ein tieferes Verständnis kontroverser Themen. Ich hatte gehofft, dass ihr als respektierte Stimme in der Gaming-Community eine nuanciertere Perspektive einnehmen und Raum für kritische Reflexion bieten würdet. Stattdessen scheint ihr in die gleiche Falle zu tappen, die ihr zu kritisieren vorgebt: die Reduktion komplexer Sachverhalte auf simplifizierende Narrative. Diese Herangehensweise ist nicht nur dem Thema unangemessen, sondern auch eurem Publikum gegenüber unfair, das von euch eine ausgewogenere und reflektiertere Behandlung kontroverser Themen erwarten darf. Schlussendlich ist es enttäuschend, dass ihr die beleidigende Rhetorik anderer Kommentatoren nicht deutlicher zurückweist. Die schwache Formulierung "Der Vorwurf [...] ist nicht unberechtigt" und die anschließende Verteidigung dieses Kommentars tragen nicht zu einer respektvollen Diskussionskultur bei. Ich schätze euren Podcast grundsätzlich sehr. In diesem Fall hätte ich mir wie gesagt jedoch gewünscht, dass ihr die Gelegenheit genutzt hättet, ein kontroverses Thema ausgewogener zu behandeln und auf Kritik konstruktiver zu reagieren. Ich hoffe, dass wir in Zukunft zu einem produktiveren Dialog zurückkehren können, der verschiedene Perspektiven berücksichtigt und ein breiteres Verständnis fördert.

Tobias Wolfram

Danke für die Antwort, aber eure Darstellung von Gamergate bleibt meiner Meinung nach problematisch einseitig. "Faktisch sicherer Boden" bezüglich Alt-Right: Diese Behauptung ist problematisch. Die Verbindung zwischen Gamergate und der Alt-Right wird oft überbewertet und vereinfacht dargestellt. Es stimmt, dass einige Alt-Right-Figuren versuchten, Gamergate für ihre Zwecke zu instrumentalisieren. Aber das bedeutet nicht, dass die Mehrheit der Gamergate-Unterstützer Teil dieser Bewegung war oder deren Ideologie teilte. Die Bewegung war politisch heterogen, mit Unterstützern aus verschiedenen politischen Lagern, die sich primär für Themen der Spieleindustrie und des Journalismus interessierten. Diese Pauschalisierung erinnert an die Art, wie manchmal legitime Kritik an Medien oder der Spieleindustrie vorschnell als "rechts" abgestempelt wird, um sie zu diskreditieren. Das ist nicht nur ungenau, sondern verhindert auch eine ernsthafte Auseinandersetzung mit den eigentlichen Anliegen. Ein differenzierterer Blick würde zeigen, dass die Realität komplexer ist. Statt die gesamte Bewegung mit der Alt-Right gleichzusetzen, wäre es sinnvoller zu untersuchen, wie und warum verschiedene politische Strömungen versuchten, Einfluss auf die Debatte zu nehmen. Die Verbindungen zwischen Alt-Right und Gamergate mögen existieren, aber sie als Hauptmerkmal der Bewegung darzustellen, ignoriert die Vielschichtigkeit des Phänomens. Das ist, als würde man die gesamte Klimabewegung anhand ihrer radikalsten Aktivisten beurteilen. Klar gibt es bei Fridays for Future auch extreme Stimmen, aber reduziert man die ganze Bewegung darauf? "Nebelkerze 'ethics in games journalism'": Diese Abtuerei ist genau das Problem. Viele Unterstützer hatten legitime Bedenken bezüglich journalistischer Praktiken und Interessenkonflikten. Das einfach als Vorwand abzutun, ist intellektuell unredlich. Fokus auf Extremfälle: Ja, es gab abscheuliche Vorfälle von Belästigung. Die sollten wir verurteilen. Aber die gesamte Bewegung darauf zu reduzieren, wird der Komplexität nicht gerecht. Es gab auch viele, die sich explizit gegen solche Aktionen ausgesprochen haben. Zeitliche Einordnung: Ihr sprecht von 2014, aber die Diskussion und Auswirkungen haben sich weiterentwickelt. Wie Mic erwähnt hat zeigt ein Blick auf aktuelle Diskussionen in Foren wie r/KotakuInAction ein differenzierteres Bild als eure Darstellung vermuten lässt. Journalistische Verantwortung: Gerade bei kontroversen Themen wäre eine ausgewogenere Betrachtung wichtig. Wie wäre es, in Zukunft auch Stimmen einzuladen, die eine andere Perspektive einbringen können? Gamergate zeigt uns, wie schwierig es ist, komplexe soziale Phänomene zu verstehen und fair darzustellen. Es ist verlockend, eine klare Narration von "Gut gegen Böse" zu konstruieren, aber die Realität ist meist vielschichtiger. Vielleicht sollten wir Gamergate als Fallstudie dafür betrachten, wie Online-Bewegungen entstehen, sich entwickeln und von verschiedenen Akteuren instrumentalisiert werden können. Euer Podcast ist normalerweise toll, aber hier fallt ihr leider in eine sehr einseitige, fast schon aktivistische Rolle. Das wird weder dem Thema noch euren Hörern gerecht. Eine differenziertere Betrachtung würde die Diskussion bereichern, anstatt alte Gräben weiter zu vertiefen. Und bessere Kapitelmarken wären nach wie vor wirklich hilfreich gewesen.

Tobias Wolfram

Wo war denn das große Schisma, die Spaltung der Bewegung, wo sich die Menschen, die primär an ethischen Fragen interessiert waren, von den Leuten distanziert haben, die fröhlich vorgeschlagen haben, man müsste Zoe Quinn verkrüppeln und Anita Sarkeesian vergewaltigen? Es gab Leute, die das nicht voll mitgegangen sind, klar, aber die haben dafür mit immer neuen Nebelkerzen versucht, die Nazis in ihrer Mitte zu schützen.

Stay Forever

Der Vorwurf, hier sei die Bezeichnung „Arschlöcher“ so angewendet, dass Kommentatoren mitgemeint sind, ist nicht unberechtigt. Die Behauptung, du habest nur um korrekte Kapitelmarken gebeten, ist hingegen meiner Meinung nach Schönfärberei - du hast den Podcastern „Agitation“ vorgeworfen und im gleichen Atemzug etwas verharmlost, was trotz aller Nebelkerzen und Feigenblätter ja im Kern eine Vernichtungskampagne gegen Individuen ist, nicht gegen Mörder, Vergewaltiger oder sowas, sondern gegen Leute, die halt Frauen sind und eine andere Meinung haben. Ist schon starker Tobak, imho, sich dabei immer auch noch als Opfer hinzustellen. Und das ist es auch, was Leute wie den Vorkommentator immer verwundert- die Referenz auf den Klarnamen ist imho keine Drohung, sondern schlichtes Erstaunen darüber, dass man sich unter Klarnamen einer Bewegung an die Seite stellt, die null Probleme hatte, haarklein und lustvoll Bedrohungskampagnen gegen wahrgenommene Feinde zu planen und sehr kuschelig mit ihren Unterstützern auf Rechtsaußen war, Daily Stormer, Breitbart und so weiter.

Stay Forever

"Wenn man damals der Nebelkerze „ethics in games journalism“ aufgesessen ist, geschenkt. Wenn man das heute immer noch denkt, ja nun. " Ja nun was? Unabhängig von meinen eigenen Ansichten zu diesem Thema finde ich es einfach überraschend, dass nicht mehr Hörer alleine schon Anstoß an eurem einseitigen und mit extremen Zuschreibungen nicht gerade sparsamen Anreißertext nehmen. Eine damals enorm große, dezentrale Bewegung, insbesondere im digitalen Raum, primär anhand des Verhaltens ihrer extremsten Ausläufer charakterisieren zu wollen, ist meines Erachtens nach einfach kein Ansatz, der ein ehrliches Verständnis eines komplexen sozialen Phänomens befördert. Ich habe ja nicht mal die Themenwahl oder die Unterhaltung an sich in Frage gestellt. Ich finde schlicht, dass die Gesellschaft auch ohne solcherlei polarisierende, politische Analysen schon gespalten genug ist und ich in einem Videospielpodcast zumindest die Möglichkeit haben möchte, entsprechende Inhalte klar zu überspringen.

Tobias Wolfram

Es tut mir Leid, dass es unter SF-Hörern Menschen mit Ansichten gibt, die dir möglicherweise zuwider sind. Trotzdem muss man festhalten, dass es es hier exakt einen Post gab, den man im weiteren Sinne als relativierend bezeichnen kann und einen Beitrag, der schlicht um korrekte Kapitelmarken bat. Unabhängig davon, dass ich weder in den 70ern noch in den 80ern geboren bin, erscheint es mir eher "toxisch", indirekt andere Kommentatoren als Arschlöcher zu titulieren und darüber hinaus durch den Bezug zu ihren Klarnamen... ja was eigentlich? eine Art implizites Bedrohungsszenario zu erzeugen? Ich bin mir nicht vollkommen sicher, aber es scheint definitiv einem vernünftigen Diskurs nicht zuträglich.

Tobias Wolfram

Wie wäre es mit Kingdom Come Deliverance? Oder um gaanz früh zu gehen um Resident Evil 5? Beides Spiele die von Journos angegriffen wurden weil nicht divers genug / bzw. "zu divers"... Es ging um BEISPIELE in denen Aktivisten versuchen den Inhalt von Spielen mit bully-Taktiken zu beeinflussen, und "Journalisten" die dies mit tendenziösen Artikeln unterstützen. Etwas das um die 2010er losging und bis heute anhält. Gamergate war größtenteils die Unmut gegen eine Journalisten-Clique die dafür Propganda macht. Wie gesagt geh zu Kotakuinaction, stell meinetwegen auf die beliebtesten Artikel von 2015. Da ist nix mit "Vergewaltigungsfantasien".

Mic Eul

Was ist denn immer mit Wukong? Hier geht es um Gamergate und das Jahr 2014. Du unterstellst dem Podcast vage irgendwas und willst das ständig mit einem Spiel von 2024 begründen?

Stay Forever

Ja eben nicht. Man kann in dieser Sekunde nachschauen, was Gamergater interessiert. /r/kotakuinaction -> top -> Jahr / Monat etc. Da ist nix "gegen Frauen". Es geht um Black Myth Wukong dass abgewertet wurde weil "nicht divers genug", es geht um das Spider Man Spiel wo alle Journalisten über einen Mod krakeelten der angeblich alle Gender-Ideologie aus dem Spiel entferne....Nur dass am Ende rauskam, dass der "Mod" einfach die Location änderte und die Entwickler selbst eine Agenda-lose Version für Asien und den Mittleren Osten gebaut hatten. Gamergate geht es um genau so Sachen. Spiele voller Agenda, und lügende "Journalisten"

Mic Eul

Hier, von allen Orten im Internet, direkt mehrere "well actually" in Bezug auf GG zu lesen schockiert mich immens. Aber da die Hörerschaft ja bekanntermaßen zum Großteil aus in den 70/80ern geborenenen Männern besteht (mich eingeschlossen) ist das wohl einfach statistische Normalverteilung. GG war, wie ihr sehr schön zusammengefasst habt, eine toxische Männerbewegung und Arschlöcher gibt's halt leider überall. Aber auch irgendwie schön, wenn sie sich mit Klarnamen dazu bekennen.

Stefan Weidner

Ist schon interessant, wie man Jahre nach der ganzen Chose eine journalistische Aufarbeitung als Agitieren bezeichnen kann. Chris und André sind auf faktisch sicherem Boden, die Zusammenhänge zwischen Alt-Right und Gamergate ebenso gut belegt wie die Tatsache, dass sich der Mob insbesondere auf Frauen fokussierte, Vergewaltigungsfantasien inklusive. Wenn man damals der Nebelkerze „ethics in games journalism“ aufgesessen ist, geschenkt. Wenn man das heute immer noch denkt, ja nun.

Stay Forever

Es wäre schon nett gewesen, wenn die Kapitelmarken korrekt gesetzt worden wären, sodass ich mir dieses reichlich voreingenommene, fragwürdige Agitieren gegen vermeintlich neurechte, reaktionäre, antifeministische, etc. Positionen im ersten Drittel sauber hätte ersparen können.

Tobias Wolfram

Das stimmt so einfach nicht, wie Christian und André auch sehr gut aufgearbeitet darlegen. Mit dieser These widersprichst du ihren Ausführungen deutlich — für so einen Widerspruch wären schon etwas mehr Substanz und Quellen sinnvoll, finde ich. Aber diese These „Es geht (dem Großteil) um ethics in gaming journalism“ ist ohnehin eine bekannte und lange widerlegte Quatschbehauptung, die seitens der Mitwirkenden häufig und gern verbreitet wird (womit ich dir übrigens nicht unterstellen will, dass du bei Gamergate partizipiert hättest). Bei Gamergate geht es um einen anti-feministischen, reaktionären Backlash.

aflatmajor

Ein Großteil von Gamergate protestierte einfach über "Journalisten" die Spiele runtermachen die nicht dem allerneusten Political-Correctness Trend folgen. Geht man auf /r/Kotakuinaction und sortiert nach "Top" und "Jahr" kommen genau so Beiträge. Ich habe parallel eine Seite offen auf der "Screen Rant" sich beschwert, dass "Wukong" zu wenige "Diversity & Inclusion" hat. Man spielt in diesem chinesischem Spiel einen Affen....

Mic Eul


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