Der Tag beginnt eklig. Wir sind müde, durstig, verschwitzt und
nach wie vor pleite. Also suchen wir erst einmal die nahe Stadt
Balquash auf, gelegen am gleichnamigen See und die größte Siedlung
auf dem Weg von Astana nach Almaty.
Oh … Da ich mit dem Schnitt des Films inzwischen dieses Tagebuch
überholt habe, kennt ihr das Folgende eventuell schon. Entschuldigt
bitte ;)
Balquash erweist sich als das Drecksloch, das wir erwartet hatten.
Wir sind im Klischee-Kasachstan angekommen. Mit einem unguten Gefühl
schaffen wir es nach mehreren Versuchen, Geld am Automaten zu ziehen
und kaufen das Nötigste ein. Dann geht es weiter durch die Wüste,
die immerhin auf der einen Seite der Straße aus einem See besteht,
der allerdings vor der Austrocknung steht. Das wiederum liegt daran,
dass die Chinesen die Zuflüsse blockieren, um das Wasser für sich
zu nutzen. Ja, China ist schon so nahe, aber uns stehen noch ca. 1700
km Umweg bevor, immerhin sollen wir in Kirgistan über die Grenze
kommen.
Die heutige Landschaft ist so verdammt öde, dass Highlight umso
mehr hervorstechen. Es ist der Tag an dem wir:
Erstmals Kamele sehen
Die beiden Radfahrer Rob und Anguss treffen, die mit dem Rad
von Heidelberg nach Shanghai fahren. Wobei wie nie gefragt haben,
warum gerade Heidelberg. Die beidem kommen aus dem UK bzw. den USA.
Na ja, egal. Sie haben ein Set Klamotten, ihre Räder und sonst kaum
Gepäck. Die sind Hardcore
Einen Straßenrand erleben, der eigentlich nur aus Müll
besteht
Menschen sehen, die PET-Flaschen in Mülleimern verbrennen
und dabei schön die Dämpfe einatmen. Wenn man halt sonst nix hat.
Melonenhändler besuchen, die mitsamt Familie in verlassenen
Bushaltestellen leben
Einen – genau EINEN – Baum entdecken. Der ist für
mehrere Minuten DAS Gesprächsthema im Auto.
Abends erreichen wir dann tatsächlich Almaty und während wir uns
durch den Feierabendverkehr boxen, kriegen wir sogar ein Hostel
aufgetrieben. Die Dusch-Verheißung wird immer realer, als wir
schließlich die Innenstadt erreichen. Zu Fuß wird das Hostel
gesucht, es dauert aber noch eine gute Stunde, bis wir es endlich
(sehr gut versteckt hinter einem Amt) finden und ein geräumiges
Zimmer mit fließend Wasser beziehen.
Wir schaffen es sogar ins Internet und sehen die Auswirkungen des
Katzen-Postings von vor 2 Tagen. Offenbar sind wir schlimmer als
Hitler! Dann wird Essen gejagt. Basti hat irgendwo ein KFC-Schild
gesehen und führt uns zu Fuß in die ungefähre Richtung. Leider
stellt der Colonel sich in diesem Fall nicht als Verbündeter heraus.
Es handelt sich um ein Werbeschild, nicht um eine Filiale. Also
suchen wir eine kasachische Sandwich-Kette (Im Grunde Subway) auf,
die offenbar von 3 kasachischen Supermodels betrieben wird und essen
verwirrt unser Brot. Da wir jetzt doch schneller als gedacht warne,
beschließen wir, einen Tag in Almaty zu bleiben.
Raoul Fiebig
2016-05-12 22:35:33 +0000 UTC