28. August 2015:
Nach drei oder vier Stunden Schlaf am
Rande des Buckelpiste geht die Sonne auf und wir setzen unseren Weg
fort. Am Abend müssen wir in der Hauptstadt Astana sein, sonst ist
der Zeitplan im Eimer. Die gewählte Strecke führt uns leider
querfeldein durch die Pampa – aber alle hilfsbereiten Menschen an
Tankstellen meinen, wir seien schon richtig. Die Straßen in
Kasachstan sollen ja schlecht sein, klar. Aber SO schlecht? WO
fahren denn die ganzen LKWs lang? Hier sicherlich nicht. Wir
gestehen uns ein, dass wir die falsche Route gewählt haben, müssen
da jetzt aber durch. Immerhin ist es die kürzeste Stecke durchs
Land. Leider holpern wir sie mit 20 km/h ab. Immer wenn wir denken,
wir haben es hinter uns und eine asphaltierte Strecke erreichen,
geht sie nach 1-2 km wieder in einen Sandpiste über oder ist so
verkratert, dass Mhaire lieber seitlich dran vorbeifährt. Uns wird
langsam schlecht.
Als wir für eine Pinkelpause anhalten, spricht uns ein netter
Kasache an und unterhält sich dank Mhaires gebrochenem Russisch
eine Weile mit uns. Er ist total begeistert vom Konzept des Autos,
das gleichzeitig ein Haus ist und will es sich von innen anschauen.
Er selber ist Bauer und könnte sich niemals so ein Gefährt
leisten. Er wirft einen Blick ins Auto, will keine deutsche
Schokolade haben und zieht dann weiter. Unsere erste echte Begegnung
mit einem Kasachen – und er wollte uns weder essen noch ausrauben.
Motiviert und von Kasachstan trotz allem begeistert ziehen wir
weiter.
Hier beginnt auch der Teil der Reise, der ohne Rastplätze
funktionieren muss. Wir nennen ihn den „Loch im Boden“-Teil der
Reise, während dem immer mal wieder der Klappspaten bemüht werden
muss. Wir wollen das hier aber nicht weiter vertiefen...
Nach etlichen Stunden erreichen wir am Nachmittag eine Autobahn.
Eine in beide Richtungen vierspurige Autobahn, nagelneu und auch für
deutsche Verhältnisse im Top-Zustand. Sie beginnt ca. 300 km vor
Astana und führt danach auch nicht weiter. Wir hätten in Russland
noch weiter nach Osten fahren und dann abbiegen müssen, um in ihren
Genuss zu kommen. Sie kostet ein wenig Maut,ist entsprechend kaum
befahren, bietet aber die üblichen Melonen- und Honigstände an der
Leitplanke, an denen die Leute mit 150 Sachen vorbeifahren.
Ca 200 km vor Astana machen wir nochmal Halt, um was zu essen und
Fahrer zu tauschen. Dabei beobachten wir, wie eine Frau mittleren
Alters ein Katzenbaby aus ihrem Wagen wirft und weiterfährt. Steff
ist entsetzt. Wir schauen uns das kleine Viech an und geben ihm
Wurst. Uns allen ist klar, dass wir es nicht mitnehmen können. Wir
kriegen es niemals über die Grenze, in Kasachstan gibt es keine
Tierheime und Katzen gelten als Parasiten. Dennoch meine ich zur
Gruppe „Okay, wenn ich nicht mitkriege, dass sie mitkommt, ist sie
wohl nicht dabei.“ Ratlose Gesichter. Letztlich erfülle ich meine
Rolle als der Typ, der die unangenehmen Entscheidungen trifft und
„Nicht-Borat“, wie die Katze inzw. heißt, bleibt mit einem
Wurstvorrat zurück, in der Hoffnung, andere Kasachen könnten sie
wieder einsammeln. Immerhin hat das Tier schon selbständig
Grashüpfer gejagt. Wir machen Fotos mit der Katze, die später auf
Facebook landen werden. Das wird sich als Fehler herausstellen ...
Raoul Fiebig
2016-03-21 20:50:55 +0000 UTCLena Richter
2016-03-21 16:43:06 +0000 UTC