25. August 2015
Heute beginnt der langweiligste Teil der Reise. Ich weiß, das ist
jetzt kein besonders guter Teaser für den Rest des Textes. Aber ich
hatte es ja bereits angekündigt: Das russische Hinterland besteht
für uns aus mittelschlechten Straßen und Übernachtungen an
Tankstellen. Wir folgen der Hauptverkehrsader Russlands und alles
sieht deutlich westlicher aus als erwartet.
Bevor es aber losgehen kann, muss Basti auf dem Touri-Markt in
Niszhny Novgorod noch eine Keule kaufen. Eine rot lackierte, sperrige
Holzkeule. Okay, nennen wir es ein folkloristisches Artefakt. Seine
Begründung: Ihr werdet mir danken, wenn irgendwann im Auto ein Teil
genau diese Form und Größe kaputt geht. Ob das noch passieren wird,
lasse ich jetzt mal offen.
Wir hatten uns ja am Vorabend entschieden, nicht die Südstrecke
über Samara sondern die längere Route durch Kazan und Ufa zu
nehmen, also versetzen wir einen potentiellen Interviewpartner in
Samara und machen uns auf den Weg weiter nach Osten. Landschaftlich
gibt es … im Grunde nichts. Seen, Sümpfe und alle paar Hundert
Kilometer ein Industrie-Moloch aus Sowjet-Zeiten.
Wir fangen an, uns massiv zu langweilen und kaufen an Tankstellen
seltsame Überraschungseier mit Kätzchen und Panzern drin. Oder
„exotische“ Schokoriegel. Eine Lösung für das
Notebook-Netzteil-Problem haben wir immer noch nicht gefunden. Die
Stadt Kazan lassen wir schließlich links liegen und stellen uns
dreist auf den Parkplatz einer Tankstelle, um dort die Nacht zu
verbringen und undefinierbares Zeug aus einer russischen
Konservendose zu essen, dass vor allem nach einer Sache schmeckt:
Fett! Wir nennen es Schlonz.
26. August 2015
Heute geht es von Kazan nach Ufa. Landschaftlich ändert sich
wenig, aber mit jedem Kilometer wird es provinzieller und wir kommen
irgendwann in Treibstoffnot. Vorher aber fallen wieder Teile vom Auto
ab und wir müssen einen Zwischenstopp einlegen, um den Verstärker
unserer Soundanlage wieder dort zu befestigen, wo er hingehört. Es
ist nämlich unpraktisch, wenn er unter dem Gaspedal klemmt. Die
Schlaglochdichte nimmt zu. Ebenso die Anzahl der Tiere auf der
Straße. Als wir endlich eine Tankstelle finden, hat sie gerade
geschlossen und wir müssen warten, bis die Mittagspause vorbei ist.
Solange spielen wir mit dem Hund der Besitzerin und lachen uns über
die „Loch-im-Boden“-Klos kaputt. Mhaire meint dazu „Willkommen
in Asien“ - und ja, noch lachen wir darüber. Am Abend lachen wir
schon nicht mehr, als wir endlich Ufa erreichen, die erste
muslimische Stadt der Reise. Wir versuchen, vor dem einzigen
McDonalds der Stadt zu campieren, um wenigstens deren anständiges
Klo benutzten zu können, schließlich ist es uns aber doch zu laut
und wir verlassen Ufa wieder auf der Suche nach dem üblichen
Tankstellenplatz. Hier in Ufa ist der Zustand der Straße zum ersten
Mal so schlimm, dass wir uns ernsthaft Sorgen machen, dass der Wagen
auseinanderfällt. Sobald wir die Stadt verlassen haben, geht’s
wieder.
Nächster Halt: Chelyabinsk und von dort nach Kasachstan, wo sie
angeblich Europäer fressen!
Lena Richter
2016-02-17 18:05:46 +0000 UTCMarcus Keul
2016-02-17 15:39:11 +0000 UTC