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Orkenspalter TV in China Teil 6: Nizhny Novgorod


23. August 2015


Die Reise der nächsten Tage ist insgesamt etwas … verschwommen,

was an ihrer Gleichförmigkeit liegt. Wir fahren immer nur nach

Osten. Auf zunehmend schlechten Straßen, die uns aber im Vergleich

zu dem, was noch kommen wird später wie die A5 vorkommen werden. Wir

fahren von einer russischen Stadt in die nächste und schlafen meist

neben Tankstellen auf größeren Parkplätzen, so wie wir es auch

nach Moskau getan haben. Wir sorgen für Unterhaltung, indem wir an

eben diesen Tankstellen russische „Spezialitäten“ und

Kinder-Überraschungs-Klone kaufen. Oder kleine Überraschungs-Pakete

mit wahlweise Panzern oder Kätzchen. Bereits in Moskau hatten wir

ein Problem mit der Stromversorgung im Wagen und irgendwie wurde mein

Netzteil für das Notebook gegrillt, das uns ASUS freundlicherweise

zur Verfügung gestellt hat. So viel zum Thema „unterwegs

schneiden“ bzw. Speicherkarten leermachen. Wir halten also an

jeder Tanke nach neuen Netzteilen für KFZ-Stecker Ausschau, leider

ohne Erfolg.


Vor diesem Tankstellen-Autobahn-Marathon steht aber noch ein

Highlight an: Wir wollen in der angeblich sehr schönen Stadt Nizhny

Novgorod übernachten und dort wieder einen Youtuber treffen. Auf dem

Weg dorthin lotst und Basti noch zu einem Geocache, der sich leider

als eher unspektakulär herausstellt. Es ist ein kleiner Zettel in

einem Zaunpfeiler in der Uni einer Stadt namens Vladimir. Keine

Trophäe. Meh.


Nizhny Novgorod (NN) ist dafür keine Enttäuschung: Die Stadt

begrüßt uns mit tollen Panoramen und Mass Effect-Graffiti an den

Wänden. Wir finden eine günstiges Hostel mitten in der Altstadt und

werden dort von Katzen und Dinosaurier-Wandmalereien begrüßt. Das

Hostel ist gleichzeitig eine Kunstgalerie mit … dem,was russische

Studenten heutzutage eben für Kunst ansehen. Und voll von Hipstern.

Es gibt aber auch drei Duschen. Allerdings ist eine kaputt, in einer

geht das Licht nicht und die Dritte ist dauerbesetzt. Basti duscht

also im Dunkeln (was ich ihm generell empfehlen würde) und wir

warten. Lange.




Wir erfahren später von Bastis Freundin, dass er „nie unter

einer Stunde duscht“ und so haben wir sehr viel Zeit, über ihn zu

lästern. Das Hostel verfügt auch über eine Waschmaschine, so dass

wir später unsere Wäsche an gespannten Schnüren in den Zimmern

aufhängen können. Dann wird über die weitere Route diskutiert. Ich

will nach Samara im Südosten und dann einmal quer durch Kasachstan

bis nach Bishkek in Kirgistan. Basti jedoch möchte, dass wir weiter

nach Russland reinfahren, also nach Osten und dann in Novosibirsk

rechts abbiegen, um Kasachstan an einer schmalen Stelle schnell zu

durchqueren. Er hat schlimme Gerüchte gehört und will sich nicht

lange in diesem Land aufhalten. Einer unserer russischen Kontakte

(der Youtuber ist übrigens zum Treffen nie erschienen) sprach auch

von Arbeitslagern für Touristen. So richtig glaubt daran niemand.

Ich habe aber schon verraten, dass wir Bastis Variante wählen

würden, der übrigens auch unbedingt mal nach Sibirien will.




Wir nutzen an diesem Abend noch die Tatsache, dass man in NN für

umgerechnet 6 Euro ein fantastisches Steak in einem

US-Style-Steakhouse bekommt, in dem sogar eine der Bedienungen

englisch spricht.




Wer nicht englisch spricht ist unser Sitznachbar Michael. Das

hindert den angetrunkenen Russen mit Künstler-Ausstrahlung aber

nicht daran, sich lange mit uns unterhalten zu wollen. Er findet uns

offenbar spannend und bietet uns Shrimps und Vodka an. Die Bedienung

fragt, ob er uns stört. Wir lügen uns sagen Nein. Michael bleibt

weiter sehr gesellig. Ein sehr netter Mann, wir verstehen nur kein

Wort. Mhaíre versteht einzelne Fetzen, klar. Aber seine

Betrunkenheit macht es auch für sie nicht besser. Schließlich wird

Michael doch rausgeworfen, obwohl wir Einwände erhaben, und sein

Vodka und seine Schrimps bleiben zurück.




Er tut uns doch einigermaßen leid. Wir spinnen Geschichten über

ihn. „Ist euch sein verbranntes Ohr aufgefallen?“ - „Vermutlich

ist es wirklich Künstler, aber sein Vater wollte früher, dass er

Fleischer wird, wie er selbst. ... >Papa, ich werde schwuler

Bildhauer!< - >Die Flausen werd ich dir auf der Herplatte

austreiben!<!“ Das findet auch vor Ort nicht jeder witzig, aber

das Steak ist trotzdem phänomenal.


Wir sagen dem dritten Youtuber in Samara ab (immerhin melden wir

uns im Gegensatz zu dem NN-Kontakt, der immer noch nicht aufgetaucht

ist) und legen uns endlich mal wieder in ein richtiges Bett.



Aus NN gabs übrigens auch diese Message:  https://www.youtube.com/watch?v=FlqBtJBfClY&feature=youtu.be

Orkenspalter TV in China Teil 6: Nizhny Novgorod

Comments

Chinesisch: Mháire. Russisch: Mhaire. Andere Sprachen waren nicht relevant ;)

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Irgendwie hätte ich mit jeder Grenze mehr Angst gehabt irgendwie zu verschwinden. Und mein Schulrussisch ist nicht mehr existent. Wer war denn von euch Dolmetscher für welche Sprache?

Olovil Stein


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