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Orkenspalter in China: Die Chronik - Teil 1: Der Aufbruch


Wir haben in letzter Zeit lange hin und her überlegt, wie wir

unsere Reiseerlebnisse „verpacken“. Klar, es wird einen

Dokumentarfilm geben, aber darüber hinaus ist da noch so viel zu

erzählen, was man aus politischen, privaten oder schlicht

Nettigkeits-Gründen nicht mit der ganzen Welt teilen sollte.

Außerdem haben wir mit unserem Sponsor nach wie vor keinen gültigen

Vertrag und es besteht die Chance, dass er es nicht gerne sehen

könnte, wenn wir jetzt auch noch ein Buch schreiben oder einen Blog

veröffentlichen, vor allem wenn diese Form der Berichterstattung das

Schauen des Films überflüssig machen könnte.





Daher haben wir uns erst einmal zu dieser Lösung entschlossen:

Wir posten unsere Reisetagebücher hier nach und nach. Nur für euch

Patrons. Es kann sein, dass wir sie irgendwann noch einmal irgendwo

anderweitig veröffentlichen, aber momentan sind sie nur für euch.

Sie werden auch nicht allzu viel aus dem Film vorweg nehmen.

Stattdessen reden wir hier über Dinge, die im Film keinen Platz

fanden oder die wir schlicht nicht filmen konnten, weil … man eben

Beamte mit automatischen Waffen nicht filmen sollte. Das ganze ist

aus Nicos Perspektive geschrieben, da er es ist, der während des

Renderns von Videos Zeit für so etwas hat :)


16.August 2015


Heute geht es los. Nach fast einem Jahr Vorbereitung wollen

Mháire, Steff und ich von Viernheim nach Hamburg aufbrechen, um dort

Basti einzusammeln und dann gen Polen zu starten. Dann weiter nach

Russland, Kasachstan, Kirgistan und China, wo wir unseren Dinosaurier

für den Space 1889-Film abholen sollten. Das alles als Gegenstand

einer TV-Doku, für die es bis heute übrigens keinen Abnehmer gibt.


Es war bis zuletzt relativ unsicher, ob die Reise überhaupt

unternommen werden könnte. Das uralte Wohnmobil Baujahr 1990 hatten

wir erst einige Woche zuvor in Passau gekauft und die erste

Inspektion des KFZ-Menschen unseres Vertrauens ergab das Ergebnis

„Der hat neu TÜV? Nie im Leben. Das ist doch getürkt!“ (der

KFZ-Mensch ist schon etwas älter, so dass man ihm solche

Redewendungen verzeihen möge). Die durchzuführenden Reparaturen

waren fast so teuer wie das Fahrzeug selbst, aber immerhin war es

rechtzeitig fertig. Viel knapper war es bei den Unterlagen. Gerade

die VISA stellten sich als Problem heraus. Klar, die Russen wollten

ALLES von uns wissen. Auch unseren Kontostand. Nicht, dass wir armen

Schmarotzer uns nach Russland absetzen, das Land in dem bekanntlich

Vodka und Honig fließen (es gab tatsächlich eine Menge Honig am

Straßenrand zu kaufen) um an Putins Zitzen zu parasitieren!

Glücklicherweise hatten wir dank unseres Sponsors und dem für die

Reisekosten angesammelten Geld ausnahmsweise fast alle recht gut

gefüllte Konton und es gab nichts zu beanstanden.




Na ja, ok. Vielleicht wäre es besser gewesen, wenn alle von uns

ihre Namen in den Antragsformularen richtig geschrieben oder das

Dokument unterzeichnet hätten. So ging es dank unserer Unfähigkeit

noch eine Weile hin und her, aber am Ende hielten wir die Visa 3 Tage

vor Aufbruch in den Händen. Auch die beiden Visa für unsere

Freundin Iris, die kurz vorher wieder abgesprungen war. Sie hatte

sich einreden lassen, dass man ihr in Russland oder spätestens

Kasachstan die Kehle durchschneiden würde. Schade, aber im

Nachhinein wäre es auf Dauer zu Fünft VIEL zu eng geworden.





Apropos Enge: Um diese zu vermeiden, hatten wir einen

Heckgepäckträger organisiert bzw. der Vorbesitzer des Wagens hatte

ihn uns mitverkauft. Leider ließen sich dessen Lampen nicht in

Betrieb nehmen. Mehrere Stunden versuchte Steff mit Hilfe seines

geduldigen Vaters, die Verkabelung zu reparieren, aber es halb

nichts. Der Gepäckträger musste da bleiben. Und somit auch unsere

Fahrräder, die als „Rettungsboote“ gedacht waren, sollte man mal

schnell 20 km zum nächsten Ort fahren müssen, weil man zB mitten in

der Wüste liegen geblieben war. Immerhin hatten wir noch einen neuen

Dachgepäckträger, den wir hatten das Dach für den Dino-Transport

verstärken und mit Metallstreben ausstatten lassen. Da passten zwar

nicht die Räder drauf aber immerhin … der Ersatzreifen.







Viel zu spät ging es dann los: Gegen 1600 brachen wir endlich gen

Hamburg auf, wo wir um 2300 ankamen. Im Westen der Stadt sollten wir

Basti treffen, den einzigen Norddeutschen unserer Tour. Viel war nach

der Ankunft dann aber nicht mehr machbar. Ein schlichtes Mahl bei

einer Burgerkette, deren Slogan „Man gewöhnt sich dran“ lauten

sollte. Und dann verbrachten wir drei unsere erste, unspektakuläre

Nacht in unserem neuen Heim, direkt neben der Luruper Chausse.





17. August 2015




Auch der nächste Tag begann mit Verzögerungen. Basti hatte

einiges an Gepäck und einen sperrigen Werkzeugkasten, den wir noch

einige Male brauchen würden. Weitere Einkäufe waren nötig, um eine

Leiter fürs Dach, Klopapier für die Chemietoillette und Vorräte zu

sammeln. Außerdem wollten wir Bastis „zur Gruppe stoßen“

filmisch festhalten – und das vor angemessener Kulisse. Also wurde

eine Location im Hafen gesucht, an der er mit hamburger Flair auf uns

treffen konnte. Das war natürlich total gestellt und es macht

überhaupt keinen Sinn, dass Basti uns in einem Industriegebiet

trifft, aber was solls.




Unterwegs wollten wir uns mit Dosenfutter weiter eindecken und

besuchten einen Aldi nahe Berlin. Schockiert stellten wir fest, dass

Dosenravioli offenbar nur in zentralen Teilen des Landes zum Bestand

des Discounters gehören. Wir hatten uns darauf eingestellt (und auch

ein wenig gefreut), und die nächsten Wochen nur von kalten Ravioli

zu ernähren. Und später in China hätten wir für so eine Dose

vermutlich gemordet. Oder zumindest jemandem sehr weh getan. Oder ihn

beschimpft.





Wir überquerten unsere erste Grenze in der Nacht und verbrachten

deren Rest auf dem ersten polnischen Rastplatz nach dem ersten

Maut-Tor. Sehr zu empfehlen: Da die polnischen Autobahnen dank Maut

recht leer sind, sind auch die Rastplätze kaum frequentiert, sehr

sauber, sehr ruhig und sie bieten alles, was man als Wildcamper zu

braucht: Ein sauberes Klo, ein Waschbecken und einen

Süßigkeitenautomaten.


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