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Orkenspalter in China: Teil 13

31.  August 2015  -  Tag 13: Ein ruhiger Tag in Almaty 


Ich habe jetzt monatelang nichts geschrieben, der fertig geschnittene Film schien mir das überflüssig zu machen. Aber tatsächlich habe ich auch den Drang, alle Erinnerungen niederzuschreiben, bevor sie doch noch verblassen, auch wenn die Details noch so irrelevant zu sein scheinen. Tatsächlich ist bisher kaum etwas verblasst. Alle Erinnerungen sind noch sehr präsent und lebendig vorhanden. Wie muss das wohl sein, sein ganzes Leben zu reisen und jeden Tag etwas Neues zu erleben? Alles muss sich doch viel intensiver anfühlen. Vermutlich fühlt sich so ein Leben viel länger und ergiebiger an. Aber nun gut, zurück nach Almaty.   


An diesem Tag passiert tatsächlich nichts Besonderes.  Es ist fast ein wenig wie Urlaub. Auf dem Weg in die Stadt haben wir eine Art Shopping Mall gesehen und beschließen, dort unsere Vorräte aufzufüllen. Wir fahren vom Hostel also wieder Richtung Innenstadt und vermeiden es in letzter Sekunde, mit dem WoMo in eine Tiefgarage zu fahren, die uns vor ihrer 2 Meter hohen Decken warnt. Schließlich finden wir einen Parkplatz in einer sonnigen Allee und erkunden die Stadt und die Mall zu Fuß weiter. Wenn ich von einer Mall in Kasachsatan rede, denken die meisten vermutlich an einen Basar mit Kuhstall, auf dem Borat herumhüpft. Wir reden hier aber von einer Shoppingmall, die so genausogut in einem westeuropäischen Land stehen könnte, komplett mit kasachischem Toys'R'Us, in dem sich Mháire ein Lego-Space Shuttle für ein paar Tenge kauft – und großem Food Court, in dem man international essen kann. Wir entscheiden uns für uskebische Küche, da wir bedauern, dieses Land auf unserer Tour auslassen zu müssen und bereuen es nicht. (Was genau wir gegessen haben, kann Mháire sicher ergänzen. Ich weiß zumindest noch, dass ich es vertragen habe und es taugte.) Wir erkunden die Mall weiter und finden einen recht teuren Supermarkt mit vielen deutschen Produkten. Hier decken wir uns mit Kasachstan Cola und exotisch wirkenden Schokoriegeln ein. Wir beschließen, einen Park zu suchen, um die Speisen dort einem Profi-Test zu unterziehen.   

Also zurück zum Wagen, hinter dessen Windschutzscheibe inzwischen ein Zettel klemmt.   „Your car is my dream“. Ob wir das Ding verkaufen würden und uns unter einen russischen Email-Adresse melden würden. Bis heute haben wir das nicht getan, ein wenig tut mir die betreffende Person immer noch leid.   Wir parken ein paar Blocks weiter direkt bei einem ausufernden Park und wenig später spazieren wir an grünen Baumreihen und Sowjet-Denkmälern vorbei, setzen uns schließlich auf eine Bankm probieren unseren Süßkram und beobachten die Menschen. Wir sehen den ersten kasachischen Goth und den ersten kasachischen Metaller. Sympathisch. Generell wirken die Menschen in Almaty sehr entspannt und nett auf uns. Auch das Völkergemisch mit vielen westlichen und genausovielen fernöstlichen Gesichtern gefällt uns. Wir sehen sogar einen Jungen, den wir eindeutig als Chinesen einstufen würden, wäre er nicht strohblond. So sieht wohl die Zukunft der Menschheit aus. Firefly hat das nicht hinbekommen.   Der Park beherbergt auch eine russisch orthodoxe Kirche und Mháire wickelt sich schnell ihre Jacke um den Kopf, um nicht zu sehr als Touristin aufzufallen und ohne Störung den Gottesdienst zu beobachten. Ganz schön kitschig, aber auch mal eine Erfahrung. Vor der Kirche können Touristen Fotos von sich mit Tauben oder Kaninchen machen lassen, was für weniger Begeisterung sorgt.   So ein richtig tolles Motiv war für den Film bisher noch nicht dabei, also dränge ich darauf, noch Bilder von der Skyline oder den Bergen hinter der Stadt zu machen, bevor die Sonne gänzlich untergeht. Aber einen richtig tollen Winkel finden wir dann nicht mehr. 

Schließlich geht es zurück ins Hotel und dieser Tag findet mit einem guten Buch und einer Runde Imperial Assault seinen Ausklang. Verdammt, das hat sich fast wie Urlaub angefühlt. So kann die Reise nicht weitergehen. Am nächsten Tag muss wieder Stress her – also ist der Plan, nach Kirgistan weiterzufahren.   
 

Orkenspalter in China: Teil 13

Comments

Und nebenbei mal das Land "Uskebistan" erfunden...

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Die Hintergrundinformationen machen, wie ich finde, den Film noch interessanter.

Olovil Stein


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