29. August 2015
Während ich das hier schreibe, schneide ich natürlich auch den
dazu gehörigen Film, lade Bilder auf die FB-Seite des Projekts hoch
- und mache meine Steuer. Viele, viele Quittungen aus Russland lassen
das Erlebte gerade sehr echt wirken und ich kann mir nicht mehr
einreden, dass ich mir all den Quatsch nicht nur ausgedacht habe. Es
ist ein wenig traumatisierend, aber da muss man durch.
Der 29. August ist kein guter Tag auf unserer Reise. Es ist dafür
ein teurer Tag.
Morgens brechen wir in Astana auf, Ziel ist
letztlich Almaty wo hoffentlich jemand eine Dusche besitzt, die wir
auch benutzen dürfen. Davor liegen 1200 km Wüstenstrecke. Die
Autobahn, die durch Astana führt, endet wenige km südlich an einer
Baustelle. Wir nehmen an, dass sie bis zur Olympiada in Almaty
ankommen soll. Ob das was wird?
Ein paar weitere km im Süden überholt Steff genervt einen LKW
bei durchgezogener Mittellinie. Schwerer Fehler – er wird direkt
von 2 Polizisten rausgewinkt, die ihn und Basti dann ca. eine Stunde
in ihrem Auto festhalten und freundlich aber bestimmt auf die beiden
einreden, auf Bußgeldkataloge zeigen und insgesamt ca. 300 Euro in
der Landeswährung haben wollen. Und die haben wir fatalerweise
nicht. Wir sind uns auch bis heute nicht sicher, ob es wirklich um
eine Straße ging oder um Bestechungsgelder und die beiden Beamten
auf das Delikt „Attentat an Nursultan – 100.000 Tenge“ gezeigt
haben. Später haben wir erfahren, dass sie im Monat ca. 300 Euro
verdienen, die armen kasachischen Polizisten. Da müssen sie
natürlich etwas aufstocken, denn SO billig ist das Leben in
Kasachstan nun auch wieder nicht.
Wir Durchwühlen alle Geldtaschen und Verstecke und können 286
Euro und 50 Cent zusammenkratzen, was den Polizisten ausreicht. Nur
sind wir danach eben pleite. Und die nächsten 10 Tankstellen wollen
unsere Kreditkarten oder EC-Karten nicht annehmen. Das ist übrigens
auch neu. Bis spät in die Nacht zuckeln wir also mit den letzten
Tropfen aus dem Reservekanister durchs Land, bis wir endlich eine
moderne Tanke erreichen, volltanken und dann auch direkt auf einem
Rastplatz campieren. Keine gute Stimmung im Auto, kein guter Tag.
Tage ohne Dusche: 6
Raoul Fiebig
2016-04-15 08:14:19 +0000 UTC