NokiMo
Orkenspalter TV
Orkenspalter TV

patreon


Orkenspalter TV in China: Teil 10


 Astana – das heißt Hauptstadt.



28.August 2015, abends:

Wir erreichen endlich Astana, nachdem

wir auf der Autobahn in 2 Stunden so viele km heruntergerissen haben,

wie vorher den ganzen Tag nicht. Pferde auf dem Abfahrt und der

vermutlich einzige Maut-Automat des Landes sind die letzten kleinen

Hindernisse auf dem Weg in die Stadt und dann – so der Plan- in ein

Hotelbett. Immerhin ist es schon wieder eine Woche her, dass wir in

einem richtigen Bett gepennt haben und wir finden, wir haben es

verdient. Noch mehr wünschen wir uns eine Dusche.


Astana macht von Anfang an den Eindruck, aus dem Wüstenstand

herausgestampft worden zu sein – was es ja auch ist. Der Präsident

des Landes, Nursultan (das ist sein Name, nicht sein Titel,

Nursultuan ist nur Präsident, nicht Sultan oder Nursultan), will

Kasachstan moderner machen. Er hat NICHT damit angefangen, indem er

es in eine echte Demokratie verwandelt hat, sonst würde er kaum seit

25 Jahren regieren. Stattdessen hat er sich dafür entschieden, eine

neue, hübschere (geschmacklosere) Hauptstadt zu bauen, mitten in der

Wüste und nicht so abgelegen nahe des fruchtbaren Grünstreifens wie

die alte Kapitale Alma-Ata (soviel zum Schulwissen: Heute Almaty, der

Name war Nursultan auch zu altmodisch). Und diese Haupstadt hat er

originellerweise Hauptstadt genannt, zu kasachisch: Astana. Wir

gondeln über den frischen Asphalt und suchen nach einer Unterkunft.

Das erste Hotel ist angeblich ausgebucht. Wir merken aber, dass man

uns fertig aussehende Typen hier einfach nicht haben will. Das zweite

Hotel scheint geschlossen zu sein und das dritte erweist sich anstatt

des im Netz beworbenen Budget-Hotels als Radisson, in dem zudem

gerade die Weltmeisterschaft im Judo stattfindet. Immerhin: Wir hören

viele amerikanische Stimmen und überlegen, ob wir die Leute hier

nicht einfach anquatschen können, vielleicht können sie uns ja in

ein Zimmer des überfüllten Hotels schmuggeln. Oder lassen uns

wenigstens ihre Dusche benutzen. Wir tun aber nichts davon sondern

suchen weiter.


In einem Hotel etwas weiter draußen führen wir dann ein langes

und sehr kompliziertes Gespräch mit einer missmutigen

Rezeptionistin. Wir verständigen uns pantomimisch und mittels

Skizzen. Am Ende kommt raus:


Es gibt nur ein Zimmer, das frei ist.



Nein, da dürfen keine weiteren Betten rein.


Nein, die anderen dürfen da nicht duschen. Nur eine Person.


Nein, sie dürfen auch nicht kurz hoch.



Es wäre ihr am liebsten, wenn wir einfach wieder gehen.


Freundliche Menschen hier! Am Ende bekommt Mháire das eine Bett

und der Rest macht es sich auf dem Parkplatz vor der Tür bequem. Wir

sind uns aber alle einig: Wir mögen Astana nicht.

Comments

Es gab keins. Für keinen von uns ;)

Orkenspalter TV

Die Vielfalt an Hotels in Astana war klar sehr vielfältig. Wie war das Frühstück danach?

Jakomo vom Dach

Ja, ich glaube, der war dabei :)

Orkenspalter TV

Dieses Nursultanistan klingt ja richtig sympathisch. Ein Sternwartenkollege (Softwareentwickler) von mir "durfte" vor einigen Jahren wochenlang in Almaty arbeiten - im tiefsten Winter und nahezu interniert. Er war auch sehr angetan. Habt Ihr wenigstens noch Heinz in Mháires Bett schmuggeln können? ;)

Raoul Fiebig


Related Creators