Orkenspalter TV in China: Teil 10
Added 2016-04-03 23:28:47 +0000 UTC Astana – das heißt Hauptstadt.
28.August 2015, abends:
Wir erreichen endlich Astana, nachdem
wir auf der Autobahn in 2 Stunden so viele km heruntergerissen haben,
wie vorher den ganzen Tag nicht. Pferde auf dem Abfahrt und der
vermutlich einzige Maut-Automat des Landes sind die letzten kleinen
Hindernisse auf dem Weg in die Stadt und dann – so der Plan- in ein
Hotelbett. Immerhin ist es schon wieder eine Woche her, dass wir in
einem richtigen Bett gepennt haben und wir finden, wir haben es
verdient. Noch mehr wünschen wir uns eine Dusche.
Astana macht von Anfang an den Eindruck, aus dem Wüstenstand
herausgestampft worden zu sein – was es ja auch ist. Der Präsident
des Landes, Nursultan (das ist sein Name, nicht sein Titel,
Nursultuan ist nur Präsident, nicht Sultan oder Nursultan), will
Kasachstan moderner machen. Er hat NICHT damit angefangen, indem er
es in eine echte Demokratie verwandelt hat, sonst würde er kaum seit
25 Jahren regieren. Stattdessen hat er sich dafür entschieden, eine
neue, hübschere (geschmacklosere) Hauptstadt zu bauen, mitten in der
Wüste und nicht so abgelegen nahe des fruchtbaren Grünstreifens wie
die alte Kapitale Alma-Ata (soviel zum Schulwissen: Heute Almaty, der
Name war Nursultan auch zu altmodisch). Und diese Haupstadt hat er
originellerweise Hauptstadt genannt, zu kasachisch: Astana. Wir
gondeln über den frischen Asphalt und suchen nach einer Unterkunft.
Das erste Hotel ist angeblich ausgebucht. Wir merken aber, dass man
uns fertig aussehende Typen hier einfach nicht haben will. Das zweite
Hotel scheint geschlossen zu sein und das dritte erweist sich anstatt
des im Netz beworbenen Budget-Hotels als Radisson, in dem zudem
gerade die Weltmeisterschaft im Judo stattfindet. Immerhin: Wir hören
viele amerikanische Stimmen und überlegen, ob wir die Leute hier
nicht einfach anquatschen können, vielleicht können sie uns ja in
ein Zimmer des überfüllten Hotels schmuggeln. Oder lassen uns
wenigstens ihre Dusche benutzen. Wir tun aber nichts davon sondern
suchen weiter.
In einem Hotel etwas weiter draußen führen wir dann ein langes
und sehr kompliziertes Gespräch mit einer missmutigen
Rezeptionistin. Wir verständigen uns pantomimisch und mittels
Skizzen. Am Ende kommt raus:
Es gibt nur ein Zimmer, das frei ist.
Nein, da dürfen keine weiteren Betten rein.
Nein, die anderen dürfen da nicht duschen. Nur eine Person.
Nein, sie dürfen auch nicht kurz hoch.
Es wäre ihr am liebsten, wenn wir einfach wieder gehen.
Freundliche Menschen hier! Am Ende bekommt Mháire das eine Bett
und der Rest macht es sich auf dem Parkplatz vor der Tür bequem. Wir
sind uns aber alle einig: Wir mögen Astana nicht.
Comments
Es gab keins. Für keinen von uns ;)
Orkenspalter TV
2016-04-04 16:49:26 +0000 UTCDie Vielfalt an Hotels in Astana war klar sehr vielfältig. Wie war das Frühstück danach?
Jakomo vom Dach
2016-04-04 14:50:45 +0000 UTCJa, ich glaube, der war dabei :)
Orkenspalter TV
2016-04-04 12:27:44 +0000 UTCDieses Nursultanistan klingt ja richtig sympathisch. Ein Sternwartenkollege (Softwareentwickler) von mir "durfte" vor einigen Jahren wochenlang in Almaty arbeiten - im tiefsten Winter und nahezu interniert. Er war auch sehr angetan. Habt Ihr wenigstens noch Heinz in Mháires Bett schmuggeln können? ;)
Raoul Fiebig
2016-04-04 10:32:19 +0000 UTC